KL_2025_12-2026_01
17 PARTNERSCHAFT Wenn aus zwei drei werden Wie sich Partnerschaftenmit einemKind verändern Die Geburt eines Kindes verändert alles – auch die Partnerschaft. Aus zwei Menschen, die ein gemeinsames Leben teilen, wird eine Familie, die ein neues Leben begleitet. Das bedeutet neue Aufgaben, weniger Schlaf, viele Entscheidungen – aber auch: tiefere Nähe, gewachsene Verantwortung und eine ganz neue Form von Zusammenhalt. Denn kaum eine Lebensphase ist so intensiv, so herausfordernd und gleichzeitig so verbindend wie die erste Zeit mit einem Kind. Wenn Rollen sich verschieben Mit einem Kind verändern sich Aufgaben und Prioritäten. Wer mehr Zeit zu Hause verbringt, übernimmt oft den Löwenanteil der Betreuung; der andere ist stärker im Beruf eingespannt. Solche Veränderungen bringen Reibungs- punkte mit sich – aber sie können auch zu einer neuen Wert- schätzung führen. Viele Eltern berichten, dass sie den Ein- satz des Partners erst in dieser Phase richtig wahrgenom- men haben. Entscheidend ist, dass Paare bewusst über ihre Erwartungen sprechen. Studien zeigen, dass nicht die objektive Aufgaben- teilung über die Zufriedenheit entscheidet, sondern das sub- jektive Gefühl von Fairness und gegenseitiger Anerkennung. Wenn beide das Gefühl haben, ihr Einsatz wird gesehen, bleibt das Gleichgewicht erhalten. Zwischen Glück und Anpassung Viele Eltern erleben nach der Geburt ihres Kindes einen emo- tionalen Ausnahmezustand. Glück, Stolz und Liebe mischen sich mit Erschöpfung, Überforderung und Zweifel. Zahlreiche Studien zeigen, dass die Partnerschaft in dieser Phase auf die Probe gestellt wird: Laut einer Langzeitstudie der University of California berichten rund zwei Drittel aller Paare in den ersten drei Jahren nach der Geburt von einer vorübergehend sinken- den Zufriedenheit. Das bedeutet aber nicht, dass Beziehungen automatisch schlechter werden. ImGegenteil: Viele Paare erle- ben nach einer Phase der Umstellung eine neue, stabilere Nähe. Sie wachsen in ihre Rollen hinein, lernen, Verantwor- tung zu teilen, und entwickeln ein starkes Wir-Gefühl. Auch Untersuchungen des Deutschen Jugendinstituts zeigen, dass viele Eltern die Zeit nach der Geburt als „intensiv, anstren- gend, aber sehr verbindend“ beschreiben.
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