KL_OS_2026-05-1
14 ERZIEHUNG Kinder zu erziehen ist keine leichte Aufgabe. Grenzen zu setzen und gleichzeitig Freiräume zu lassen – beides gehört zu einer liebe- und verantwortungsvollen Begleitung. Eltern und Erziehende bewegen sich dabei täglich in einem Spannungs- feld zwischen Halt geben und Loslassen. Wie dieser Balanceakt im Alltag gelingen kann, darüber haben wir mit der Diplom-Psychologin Fiona Begert und der Diplom- Sozialpädagogin Helga Hettlich gesprochen, die gemeinsam die Psychologische Beratungsstelle des Bistums Osnabrück in Georgsmarienhütte leiten. Erziehung Grenzen setzen und Freiraum lassen – der Balanceakt im Familienalltag ben, und wann wichtiger, loszulassen? Viele Eltern und Erzie- hende erleben solche und ähnliche Situationen immer wieder. Grenzen zu setzen ist häufig mit negativen Gefühlen verbun- den: streng sein, Regeln aufstellen und durchsetzen, Konflikte und Diskussionen aushalten, Widerstand hinnehmen und begleiten. Das kann den Familienalltag belasten. Warum Grenzen und Freiräume für Kinder und Jugendliche wichtig sind und wie man sie setzt, haben wir die EFLE-Bera- terinnen und Tandemleitung der Psychologischen Beratungs- stelle des Bistums Osnabrück in Georgsmarienhütte, Fiona Begert und Helga Hettlich, gefragt. EFLE, die Ehe-, Familien- Lebens- und Erziehungsberatung, ist ein Angebot des Bistums Osnabrück. Die Psychologische Beratungsstelle in Georgsma- rienhütte ist eine von neun Beratungsstellen im Bistum Osna- brück, die sowohl Erwachsenen als auch Kindern und Jugend- „Nein! Heute putze ich meine Zähne nicht!“ Der Vierjährige stampft wütend mit dem Fuß auf. Der Schlafanzug ist schon angezogen, die Gute-Nacht-Geschichte liegt bereit – nur das Zähneputzen fehlt noch. Der Tag war lang, alle sind müde und die Eltern sehnen sich nach einer Pause. „Nein! Nein! Nein!“, bekräftigt das Kind lautstark seinen Standpunkt und dreht sich demonstrativ weg. Was jetzt? Zähneputzen ist wichtig für die kindliche Zahngesundheit, also eigentlich keine Verhand- lungssache. Nachgeben, weil Kraft und Geduld für eine Dis- kussion fehlen? Streng bleiben, obwohl Tränen drohen? Erklä- ren, ablenken, verhandeln? Abends im Badezimmer wird aus dieser scheinbar kleinen All- tagsszene schnell eine Grundsatzfrage: Wie viel klare Grenze braucht ein Kind – und wie viel Freiheit, um selbst Entschei- dungen zu treffen? Wann ist es sinnvoll, konsequent zu blei-
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