KL_OS_2026-05-1
15 ERZIEHUNG Freiräume für die Entwick- lung der Kinder wichtig und gut. Wenn es den Eltern gelingt, dabei ruhig und klar zu bleiben, hilft das sehr. Dafür braucht es aber Eltern, die selbst sicher sind. Und unser Verhalten ist da viel wichtiger als die Worte. Wenn ich meinen Kindern sage, beim Essen gibt es kein Handy, und dann selbst die ganze Zeit mit dem Handy beschäftigt bin, dann brau- che ich nicht zu erwarten, dass die Kinder das so hinneh- men. Je älter die Kinder, desto wichtiger auch, dass sie Grenzen hin- terfragen dürfen und Antworten bekommen: warum gibt es diese Grenze? Welche Sorge steckt vielleicht dahinter? Und wie sieht es mit Freiräumen aus: Ab welchem Alter sind welche Freiräume sinnvoll und wichtig? Grenzen können die Beziehung bereichern. Es geht immer dar- um, nicht nur zu „erziehen“, sondern in Beziehung mit den Kindern zu bleiben. Nicht für jedes Kind sind die gleichen Grenzen sinnvoll. Es gibt verschiedene Arten von Grenzen: • Fürsorge-Grenzen, wie Zähneputzen, Hygiene, sind Grenzen und Regeln, die Kinder brauchen, um gut und gesund auf- wachsen zu können. Dies ist die Pflicht der Eltern, dafür zu sorgen, wenn die Kinder noch nicht alt genug sind, dies selbst zu tun. Da gibt es naturgemäß weniger Freiräume. • Grenzen, die das Miteinander regeln. Dies kann in Familien durchaus sehr unterschiedlich sein. Wenn verschiedene Indi- viduen miteinander leben, dann ist es wichtig, wie das gehen kann. Das kann nicht starr sein, sondern muss immer wieder verhandelt werden. Es unterliegt Veränderungen, wenn die Familienmitglieder sich verändern oder die Lebensumstände. • Jugendliche brauchen mehr Freiräume als kleinere Kinder. Aber auch kleinere Kinder können schon Freiräume bekom- men, und es ist sinnvoll, dass hier eine Entwicklung ermög- licht wird und die Freiräume mitwachsen dürfen. Was hilft im Alltag konkret, damit Kinder und Jugendliche die vereinbarten Grenzen und Freiräume auch einhalten können? Diese Punkte sind wichtig: • Eltern sollten die vereinbarten Grenzen ebenfalls einhalten. • Grenzen sollten nachvollziehbar sein und klar kommuniziert werden, bei älteren Kindern, wenn möglich (und sinnvoll), gemeinsam ausgehandelt werden. • Strafen sind wenig sinnvoll. Dann eher Konsequenzen, die mit dem Verhalten zu tun haben: wenn du keine Zähne putzt, dann müssen wir sehen, dass du keine Süßigkeiten isst; wenn wir uns nicht darauf verlassen können, dass du abends das Handy um 9 Uhr ausmachst, dann müssen wir lichen psychologische Bera- tung anbietet. Die Beratung, die vor Ort oder online statt- findet, ist vertraulich, kosten- frei und unabhängig von Nationalität, Familienstand, Religion und sexueller Orien- tierung. So bietet das Bera- tungs-Team in Georgsmarien- hütte zum Beispiel Unterstüt- zung für Kinder, Jugendliche, Eltern und andere Erzie- hungsberechtigte bei der Klä- rung und Überwindung per- sönlicher, familiärer und sozialer Belastungen sowie Beratungen bei Erziehungs- problemen und -fragen. Im Rahmen ihrer Beratungstätigkeit begegnen Fiona Begert und Helga Hettlich daher regelmäßig Fragestellungen rund um den Themenbereich Grenzen und Freiräume für Kinder und Jugendliche. Frau Begert, Frau Hettlich, ab welchem Alter sind Grenzen sinnvoll, und wie sollten sie sich je nach Entwicklungsphase vom Kleinkind bis zum Jugendlichen verändern? Gibt es Phasen, in denen Kinder besonders viele und besonders klare Grenzen brauchen? Grenzen sind in jedem Alter wichtig, allerdings sehen sie ganz unterschiedlich aus. Kleine Kinder brauchen zum Beispiel viel mehr äußerliche Grenzen, allein um sie zu schützen und eine gute körperliche Entwicklung zu ermöglichen. Je älter die Kin- der werden, und je mehr sich der eigene Wille formt, umso wichtiger ist es, die Kinder und Jugendlichen zu beteiligen. Zu wenig Grenzen, zu viele Grenzen – wie finden Eltern das richtige Maß? Wieder: Es gibt kein Patentrezept. Man kann sich fragen, was ist mir wichtig, was braucht mein Kind, was brauche ich, was brauchen wir als Familie? Und Ihre Kinder geben Ihnen eine Rückmeldung, durch ihr Verhal- ten, ob Sie zu viele oder zu wenig Grenzen setzen. Wie können Eltern denn Grenzen so setzen, dass sie Orientierung geben, ohne unnötige Machtkämpfe zu provozieren? Sogenannte Machtkämpfe sind gar nicht so negativ, wie die Worte klingen. Grenzen erzeugen Reibung, und das ist wich- tig. Kinder entwickeln mit zunehmendem Alter einen eigenen Willen, eine eigene Persönlichkeit. Da gehört es dazu, die Grenzen zu hinterfragen und auszutesten: Wie stabil ist mein Gegenüber? Wie sicher sind meine Eltern? Das kann wütend machen, gibt aber gleichzeitig dringend benötigten Halt und Orientierung. „Provozierend“ wird es, wenn die Grenzen zu starr sind, sich nicht mit dem Kind mitentwickeln oder zu ein- engend sind. Ansonsten ist das Ringen umGrenzen und eigene Helga Hettlich und Fiona Begert, Leitungsteam der Psychologischen Beratungsstelle des Bistum Osnabrück in Georgsmarienhütte
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy NzM2NDYw