Die Koordinierungsstelle Frau & Betrieb e.V. (KoStelle) unterstützt Frauen in der Stadt Osnabrück neue berufliche Perspektiven und konkrete Strategien für die berufliche Zukunft zu entwickeln. In vertraulichen Beratungsgesprächen steht jede Frau mit ihrer persönlichen Situation im Fokus. Weitere Informationen unter www.frau-und-betrieb-os.de
Lama Yahia und Kerstin Grimmelmann standen vor der Herausforderung einen neuen beruflichen Weg einzuschlagen. Die KoStelle half dabei die persönliche Situation zu reflektieren und eine Entscheidung zu treffen. Im Interview berichten beide Frauen, wie es ihnen heute geht.
Lama Yahia (Hörgeräteakustikerin)
Magst du dich kurz vorstellen und was du heute beruflich machst?
Ich bin Lama Yahia. Ich komme aus Syrien und bin seit 2015 in Deutschland in Osnabrück. Ich habe Zahnmedizin in der Ukraine studiert. Leider wurde mein Studium in Deutschland nicht anerkannt. Ich war vor 6 Jahren bei der KoStelle in der Beratung, weil ich nicht wusste, wie es beruflich weitergehen soll. Nach der Beratung habe ich mich entschieden ein Praktikum als Hörgeräteakustikerin zu machen. Ich wollte gern zumindest weiter mit Menschen arbeiten und etwas Medizinisches machen. Ich habe dann die Ausbildung erfolgreich absolviert und arbeitete seit 2023 als Gesellin, was mir viel Freude bereitet.
Wie war deine Situation als du zur KoStelle in die Beratung gekommen bist?
Mein Mann hatte von der KoStelle gehört und empfohlen in die Beratung zu gehen. Er arbeitet bei der Stadt Osnabrück und hat mich unterstützt. Ich war orientierungslos und wusste nicht, wie es weitergehen sollte, da mein Studium nicht anerkannt wurde und es in Deutschland so viele Möglichkeiten gibt.
Kannst du schildern was dir geholfen hat eine neue Ausbildung zu beginnen?
Meine Motivation für die Ausbildung war, dass ich etwas mit meinem Wissen anfangen wollte. Die individuelle Beratung hat mich bestärkt, dass ich es schaffe und es eine neue berufliche Möglichkeit für mich gibt. Das war sehr schön.
Welche Hürden gab es?
Es war schwierig für mich hier in Deutschland als Frau im Beruf anzukommen. Der erste Schritt ist die Sprache gut zu sprechen. Ich habe schon Englisch und Russisch gelernt, aber dann auch noch Deutsch. Das war herausfordernd. In den Sprachkursen lernt man die Theorie, aber das Wichtige ist, dass man sehr viel spricht und in der Praxis übt. Dann lernt man auch die Sprache. Aber auch die Angst vor dem neuen Umfeld muss man überwinden.
Wenn du jetzt zurückblickst, was würdest du sagen war der Impuls für den Neuanfang?
Die Perspektive noch mal neu anzufangen und wieder in einer Art medizinischen Bereich tätig zu werden, hat mich motiviert die Ausbildung zu machen. Die Hauptsache ist, dass ich den Menschen helfen kann, und das ist in meinem Beruf der Fall.
Was hat sich verändert?
Es hat sich alles verändert. Ich bin vor elf Jahren mit meinem Mann aus Syrien über die Ukraine nach Deutschland gekommen, um mir ein neues Leben aufzubauen. Das ist gelungen und ich bin glücklich und super zufrieden mit meinem Leben und meinem Beruf in Deutschland. Ich habe alles, was ich brauche.
Was würdest Du anderen Frauen sagen, die sich beruflich neu orientieren möchten?
Man soll als Frau gerade mit Migrationshintergrund nicht so lange überlegen und zur KoStelle gehen. Man hat so viele Gedanken und Optionen und die Beratung hilft dies zu strukturieren und für sich eine Entscheidung zu treffen. Weil es in Deutschland so viele Möglichkeiten gibt, ist es hilfreich Unterstützung in Anspruch zu nehmen, um den eigenen Weg zu finden. Ich arbeite ehrenamtlich mit migrantischen Frauen und helfe ihnen Fahrrad fahren zu lernen. Da ist es einfach in den Kontakt zu kommen und auch über berufliche Themen zu sprechen. Da empfehle ich die KoStelle direkt als Anlaufstelle weiter.
Was ist dein Fazit 6 Jahre nach der Beratung?
Vielen Dank an die KoStelle und die Beratung. Dadurch habe ich für mich den passenden beruflichen Weg gefunden und mir geht es gut in Deutschland und ich bin zufrieden.
Kerstin Grimmelmann (Künstlerin – www.narturium.com)
Wie bist du auf die KoStelle gekommen?
Ich habe die KoStelle im Internet gefunden und mich gefreut, dass es eine Beratungsstelle nur für Frauen gibt, die sich beruflich neu orientieren wollen. Ich hatte meinen Job als Lehrerin aufgegeben und suchte nach neuen Möglichkeiten und Perspektiven. Ich habe das Angebot des Workshops mit dem Thema „Deine eigene Chefin sein“ gefunden und mich angemeldet. Der Workshop hat mir die Perspektive mich selbstständig zu machen aufgezeigt. Und dann wusste ich, dass möchte ich auf jeden Fall umsetzen. So sind die Idee und der Plan mit einer Selbstständigkeit als Künstlerin gereift. Durch die KoStelle und den Workshop bin ich danach zu Women in Business, die mich auf dem Weg zur Selbständigkeit begleitet haben. Ich war schon vorher kreativ und künstlerisch unterwegs, aber nicht auf dem professionellen Level, auf dem ich jetzt bin.
Was hat sich konkret verändert?
Mein ganzes Arbeitssetting als Selbstständige. Das Arbeiten ist anders als vorher, wo ich immer fest angestellt war. Jetzt beschäftige ich mich mit Themen wie Finanzen und Buchhaltung, aber auch das macht Freude. Der Freiraum für das kreative Arbeiten ist da und ich kann meine Profession ausleben. Ich habe jetzt auch einen neuen Schaffensort im „leisen Speicher im Hafen“ gefunden. Dort arbeiten sehr viele kreative Menschen und ich fand diesen Ort auch irgendwie sehr passend. So hat es sich auch ergeben, dass ich eine Ausstellung im Rahmen des Straßenfestes an der Kiwittstraße am 22.08.2026 machen darf. Weil es in meiner Kunst sehr häufig um Natur, also anorganische sowie organische Natur und Strukturen geht, finde ich es sehr passend, dass meine Kunst im Garten ausgestellt wird.
Wie geht es bei Dir weiter?
Ich habe meine berufliche Neuorientierung im letzten Jahr gut aufgestellt und meine Selbstständigkeit aufgebaut. Weitere Ausstellungen sind in Planung und ich kann kreativ arbeiten. Nun würde ich gern parallel im kulturellen Bereich bspw. bei einer Institution tätig werden, um nicht nur meine künstlerische Arbeit, sondern auch meine Vermittlungs- und Projektentwicklungskompetenzen einzubringen.
Was würdest Du anderen Frauen sagen, die sich beruflich neu orientieren möchten?
Frauen sollen keine Scheu haben, auch wenn sie noch in einem Job drin sind, sich an die KoStelle zu wenden, weil so viel Expertise und unterschiedliche Angebote vorhanden sind. Es ist so niedrigschwellig zur KoStelle zu kommen. Der Umgang ist freundlich, offen und auf Augenhöhe. Es ist ein einfacher Zugang, um für sich selbst neue Wege und Perspektiven zu finden. Oder auch weitere Ansprechpartner und Institutionen zu finden an die man sich wenden kann.
Gibt es sonst noch was, was Du loswerden möchtest?
Einfach nur mal Danke zu sagen für die Unterstützung und das Angebot der KoStelle. Es hat mir Halt und Orientierung gegeben in einer Zeit, wo es sich für mich beruflich sehr orientierungslos angefühlt hat. Schön, dass ihr da wart und hoffentlich weiter für viele Frauen da seid.
Koordinierungsstelle Frau & Betrieb e.V.
Tel. 0541 323-2930
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